Polen 1999

 

Der katholische Kirchenchor "Heilig Kreuz" von Bietigheim besuchte auf einer Chorreise Polen, das Land mit den herrlichen Kulturdenkmälern

Eineinhalb Jahre lang dauerten die Vorfreude und die Span­nung des Chores auf das Heimatland seines Dirigenten, des Herrn Musikdirektors Peter Laskowski. Die Länder des Ostens sind für die Deutschen aus den alten Bundesländern wesentlich weniger bekannt als z.B. die über Jahrzehnte bevorzugten Reiseziele der Mittelmeerländer. Erst mit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" stehen diese Regionen den Touristen offen. Und eine Reise dorthin lohnt sich allemal. Polen lag immer im Spannungsfeld zweier großer Kulturräu­me und war dadurch auch den unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt; hat sowohl Blütezeiten in seiner bewegten Geschichte als auch schlimme Leidensperioden erlebt. Das alles prägt natürlich die Menschen, die am Ende unseres Jahrtausends erneut eine schwierige Übergangsphase zu bestehen haben. Die Neugier auf dieses schöne Land hatte unterschiedliche Facetten: künstlerischer, architektonischer, religiöser, politischer, landschaftlicher und historischer Art. Die erste Station war Breslau, eine Stadt, die im letzten Krieg zu 90 % zerstört wurde und 1997 von dem Jahrhundert-­Hochwasser an der Oder stark betroffen war. Viele von den zerbombten historischen und architektonischen Sehenswür­digkeiten wurden nach 1945 wieder aufgebaut und man kann sie wieder bewundern: die Dominsel, den wunderschö­nen Marktplatz, die prächtigen Kirchen, den historischen Alt­stadtkern. Eine besondere Attraktion ist das "Panorama Raclawicka", ein Rundgemälde von 120 m Länge und 15 m Höhe. Es wurde 1894 aus Anlass des 100. Jahrestages einer für Polen bedeutenden Schlacht angefertigt. Alle Teilnehmer waren beeindruckt von der realistischen Darstellung und von der optischen Wirkung des Gemäldes. Die plastische Wir­kung war so stark, dass man den Übergang vom nachgebau­ten Gelände zum Bild selbst kaum erkennen kann.
Der 2. Tag galt dem Besuch des Klosters Jasna Gora mit der berühmten. barocken Klosterkirche von Tschenstochau. Es ist der bedeutendste und wichtigste Pilgerort Polens mit der Kapellezur "Schwarzen Madonna", das am meisten verehr­te Marienbild in Polen, eine byzantinische Ikone aus dem 13. Jahrhundert. Nach einer sehr informativen Führung sang der Chor verschiedene Stücke bei einer in deutscher Sprache gefeierten Messe. Alle Beteiligten waren von der besonderen Atmosphäre der Klosterkirche und der tiefen, innigen Fröm­migkeit der dort Betenden berührt.
Am späten Abend ging es dann weiter nach Krakau, dem kultu­rellen Zentrum des Landes. Die hinreißend schöne Altstadt steht auf der UNESCO-Liste der zwölf bedeutendsten historischen Stätten der Welt und die Stadt selbst war 1992 Kulturhauptstadt Europas. Für Krakau gilt wirklich die Bezeichnung: Einzigartig in seiner Schönheit. Krakau war schon im letzten Jahrtausend ein wichtiger Handelsplatz, wurde im Jahr 1000 zur Bischofsstadt erwählt und bis in das 17. Jahrhundert hinein regierten auf der Wawel-Anhöhe die polnischen Könige. Schon im 14.Jahrhundert wurde hier die zweitälteste Universität Mitteleuropas gegründet. Krakau hat - bei 750 000 Einwohnern -140 Kirchen. Wertvolle Kunstschätze beherbergt die - glücklicherweise im letzten Krieg nicht zerstörte - Stadt; besonders erwähnenswert der Hauptaltar in der Marienkirche, gestaltet von dem bedeuten­den Künstler Veit Stoß aus Nürnberg. Unendlich viele kostbare und historische Sehenswürdigkeiten hat die Stadt Krakau zu bieten: Der Marktplatz mit den Tuchhallen und den schönen Arkaden gilt mit seinen Maßen von 200 m auf 200 m als einer der größten mittelalterlichen Plätze in Europa. Bei den Führungen gab es so viel Schönes zu sehen und Interessantes zu hören.
In Krakau gab es für alle Beteiligten noch ein besonderes Erlebnis - den Besuch in einem von Ordensschwestern unterhaltenen Waisenhaus. Das Ehepaar Dille hatte dringend benötigte Sachspenden gesammelt und mit auf die Reise genommen. Dies - zusammen mit einem - von den Teilnehmern gespendeten - stattlichen Geldbetrag wurde vor Ort persönlich übergeben. Zur Freude der Schwestern und der Kinder sang der Chor zwei Lieder und Herr Laskowski erläu­terte den Zweck unseres Polen-Besuches und woher wir kamen. Man sah und spürte, dass die Kinder von den Schwe­stern liebevollst betreut werden. Sichtlich bewegt verließen die Reiseteilnehmer das Waisenhaus.
Am vorletzten Tag stand der Besuch des Salzbergwerks in Wie­liczka an, seit 1978 zum Welt-Kulturerbe des UNESCO dekla­riert. In diesem ältesten Bergwerk Polens wird seit über 900 Jahren Salz gefördert. Einmalig und faszinierend sind bei der Führung durch das Labyrinth der Stollen die Salzskulpturen in den drei unterirdischen Kapellen. In der größten, der Kinga­Kapelle - 101 m unter der Erde - sang der Chor einige Stücke, darunter ein polnisches Volkslied. Die Akustik war phantastisch. In einer Tiefe von 211 m unter der Erde dienen leere Kammern zur Heilbehandlung von Asthma-Kranken.
Am nächsten Morgen wurde die Heimreise angetreten. Der Chorleiter, der die Reise auch selbst bis ins kleinste Detail geplant und perfekt organisiert hatte, durfte den begeister­ten Dank aller Reiseteilnehmer entgegennehmen. Alle profi­tierten wir davon, dass Herr Laskowski als Insider für uns besondere "Bonbons" ausgesucht hatte. Einige Teilnehmer haben schon den Wunsch geäußert, einen Urlaub in Polen zu verbringen, um noch mehr von diesem Land und auch von seiner unberührten Natur- der Seenplatte, dem Gebirgs­zug der Karpaten und den National- und Naturparks kennen zu lernen.